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Neues Konzept für ältere Menschen

05.01.2017

Ab Januar 2017 bündeln die Kliniken Essen-Mitte und das Evangelische Krankenhaus Essen-Werden ihre Kompetenzen in der Altersmedizin und bauen eine interdisziplinäre Station auf. So können sie ältere Patienten noch besser versorgen.

 

 

Immer mehr Patienten sind über 65 Jahre und haben altersbedingt häufig mehrere Erkrankungen gleichzeitig. Außerdem nehmen ihre motorischen und kognitiven Fähigkeiten tendenziell ab und damit auch die Kompetenz, den Alltag selbstständig zu meistern. Im Zuge ihrer Fusion setzen die Kliniken Essen-Mitte und das Evangelische Krankenhaus Essen-Werden ab Januar 2017 das Konzept "Geriatrie 3.0" um, das hervorragende Lösungen für diese Herausforderungen liefert. Wir befragten dazu die beiden federführenden Konzeptentwickler, den Direktor der Klinik für Altersmedizin der Kliniken Essen-Mitte, Dr. Hans-Christoph Heuer und den Direktor der Klinik für Altersmedizin am EVK Essen-Werden, Dr. Dag Schütz sowie den Oberarzt der kooperierenden Onkologie/ Hämatologie der Kliniken Essen-Mitte, Sebastian Ertl.

 


Wie sieht die aktuelle geriatrische Versorgung in den Kliniken Essen-Mitte aus, bevor Geriatrie 3.0 startet?

 


Dr. Hans-Christoph Heuer:

Am Standort Knappschafts-Krankenhaus in Steele haben wir im Verbund die größte Kapazität. Hier können wir Patienten vollstationär, teilstationär in unserer Tagesklinik und auf der Intensivstation behandeln. Das Leistungsspektrum reicht von der akutgeriatrischen Versorgung von internistisch erkrankten alten Patienten und Notfällen, über die geriatrische frührehabilitative Behandlung zum Beispiel für orthopädisch oder neurologisch erkrankte ältere Menschen bis hin zur Angehörigenberatung. Außerdem haben wir einen Spezialbereich für dementiell erkrankte Menschen. An vielen Stellen arbeiten wir bereits interdisziplinär, etwa seit Mai 2013 speziell für ältere Krebspatienten im Geriatrischen Tumorzentrum Essen am Standort Huyssens-Stiftung.

 


Oberarzt Sebastian Ertl:

Über die Hälfte unserer onkologischen Patienten ist älter als 65 Jahre. Auf deren individuellen Bedürfnisse eingehend, legen wir in einer gemeinsamen Konferenz aus Onkologen/Hämatologen und Altersmedizinern das beste Behandlungskonzept fest. Bei älteren Patienten stellt sich zum Beispiel die Frage, ob sie bestimmte Behandlungen wie eine Chemotherapie überhaupt noch aushalten können. Zusätzlich profitieren ältere Tumor-Patienten aber auch von einer begleitenden geriatrischen, der sogenannten frührehabilitativen Behandlung, zum Beispiel durch Ergo- oder Physiotherapien. Dadurch kann ihr Allgemeinzustand verbessert werden, sodass eine Chemotherapie eventuell möglich wird.

 


Und wie sieht die Altersmedizin am Evangelischen Krankenhaus Essen-Werden aus?

 


Dr. Dag Schütz:

Die Klinik für Altersmedizin am Evangelischen Krankenhaus Essen-Werden gibt es seit Anfang 2014. Ebenso wie der Standort Knappschafts-Krankenhaus bieten wir das komplette Spektrum der akutgeriatrischen Patientenversorgung einschließlich der frührehabilitativen Behandlung, nur haben wir noch keine eigene Tagesklinik. Unser Fokus liegt auf der Funktionalitätsverbesserung des älteren Patienten; und dafür muss man sehr viele Faktoren im Blick haben. Als Altersmediziner sind wir also Allrounder, die ein gutes Gegengewicht zu der zunehmenden, ebenso wichtigen, Spezialisierung in anderen Fachbereichen bilden. Denn die beste Therapie bringt nichts, wenn die Alltagstauglichkeit eines Patienten vernachlässigt wird. Für dieses Ziel arbeiten wir Hand in Hand.

 


Was wird sich mit dem Konzept „Geriatrie 3.0“ nun an Ihrer geriatrischen Versorgung ändern?

 

 

Dr. Dag Schütz:

Eine wesentliche Änderung ist der flächendeckende Ausbau unserer altersmedizinischen Angebote. Neben den geriatrischen Abteilungen am Knappschafts-Krankenhaus und am Evangelischen Krankenhaus Essen-Werden bauen wir eine dritte Abteilung an der Huyssens-Stiftung auf. Damit bieten wir dann eine wohnortnahe Versorgung, die gut über das Essener Stadtgebiet verteilt ist. Das Besondere an dieser neuen Station ist, dass hier sämtliche Disziplinen unter der Leitung eines Altersmediziners zusammenarbeiten können, je nach individueller Situation des älteren Patienten. Ergänzt wird dieses Angebot in einem nächsten Schritt um eine geriatrische Ambulanz.

 


Oberarzt Sebastian Ertl:

Das Konzept, das wir im Geriatrischen Tumorzentrum zwischen Onkologie/Hämatologie und Geriatrie bereits erfolgreich umsetzen, wird hier also noch um weitere medizinische Fachbereiche ergänzt. Der leitende Altersmediziner stellt dabei sicher, dass der ältere Mensch mit seinen spezifischen Bedürfnissen immer im Mittelpunkt steht. Die fachspezifische Behandlung, also auch eine symptomlindernde Chemotherapie, kann dann also parallel zu der frührehabilitativen Behandlung laufen. So etwas gibt es in dieser Form bisher nicht in Essen.

 


Dr. Hans-Christoph Heuer:

Im Rahmen von "Geriatrie 3.0" arbeiten wir auch alle enger zusammen zum Wohle des älteren Patienten. Das äußert sich in einer Standardisierung unserer Prozesse und unserer medizinischen Dokumentation. Ab Januar 2017 wird es zum Beispiel ein einheitliches Anmeldesystem für geriatrische Patienten aller drei Standorte geben. Wir stellen uns zudem eine zentrale Kontaktnummer für zuweisende Kliniken vor. Unter Berücksichtigung von freien Kapazitäten können wir Patienten dadurch sehr schnell übernehmen und weiter versorgen.